Sony Ericsson Romantik



Dieses Blog wird bespielt von Elke Graalfs (Handyfotos) und Thomas Goldstrasz (SMS-Texte).

Hier, unter WortpressMMS, schreiben wir Nachrichten in einem Format weiter, das wir anlässlich der Serie Island MMS: 19 sony-ericsson-romantische Nachrichten aus Island entwickelt haben.

Island MMS ist eine Gemeinschaftsarbeit, die im Januar 2008 entstanden ist. Original besteht die Arbeit aus einer Serie von 19 Faltbriefen, 30×30 cm, in die ein hochwertiger Colorprint jeweils eines Handyfotos aus Island von Elke Graalfs – Aufgenommen mit dem Sony Ericsson Handy T610 – eingeklebt wurde, und in die jeweils ein Text von Thomas Goldstrasz im SMS-Format – maximal 160 Zeichen, der Zeilenumbruch folgt dem des Handydisplays – mit einer mechanischen Schreibmaschine getippt wurde.

Die Handykamera des Sony Ericsson T610 (Markteintritt 2003) hat für Elke Graalfs geradezu magische Fähigkeiten. In ingenieursmäßig technischer Hinsicht ist sie eigentlich, selbst für Handyverhältnisse, einigermaßen primitiv. Es ist eine CIF Kamera (Common Intermediate Formate). CIF Kameras machen Bilder mit 288×352 Pixeln. Um Speicherplatz zu sparen, verwenden die Handys eine äußerst starke JPG-Komprimierung; von Herstellerseite aus sind CIF-Bilder vor allem für Schnappschüsse zum Betrachten auf dem Handydisplay gedacht.

Wie bei magischer Technik üblich, muss es ein besonderer Zufall aus der Kombination vieler technischer Einzeldinge – Wahl der Linse, der Verarbeitungs-Software usw. – sein, der dazu geführt hat, dass ein Handy der Serie T610, auf Nachtmodus gestellt, romantische Bilder machen kann. Die Lichstimmung wird so wiedergegeben, wie Elke Graalfs sie wahrnimmt; es werden z.B. Magentatöne abgebildet, die Kameras normalerweise gar nicht abbilden. Die starke Komprimierung in genau der algorithmischen JPG-Variante, die das T610 benutzt, sorgt für malerisch leuchtende Flächen, die an die Gemälde Caspar David Friedrichs erinnern. Eigentlich sind es technische Schwächen – Fehler könnte man fast schon sagen – die zu einer Verfremdung führen, die sich mit Elke Graalfs Wahrnehmung trifft; — und nicht nur mit ihrer: Als Thomas Goldstrasz ihre T610-Fotos aus Island sah, hatte er sofort die Idee, romantische Gedichte von maximal 160 Zeichen Länge dazu zu schreiben – oder besser gesagt, romantische Gedichte dazu assoziativ umzuschreiben – und sie durch das T9-System der SMS-Funktion desselben Handys zu verfremden.

T9 (Text on 9 keys) ist ein System zur erleichterten Texteingabe auf einem Handy (Markteintritt 1999). Der hauptsächliche Vorteil ist, dass die Tasten nicht so häufig gedrückt werden müssen. Wikipedia schreibt über einen wesentlichen Nachteil des Systems:

T9 ist für Texte mit vielen Begriffen, die nicht Teil des normalen Wortschatzes sind, wie z. B. Eigennamen, geographische Angaben und Dialekt, nicht geeignet, da diese nicht im T9-Wörterbuch enthalten sind. Außerdem ist der Wortschatz des Handys teilweise sehr klein, z.B. sind dem Nokia 6230i u.A. die Wörter Bürste und Zahnbürste unbekannt. (Wikipedia, Text_on_9_keys , 15.02.2008)

Jedes System des Zeichensetzens produziert seine eigenen Fehler. Typische Fehler bei normalen Computer-Tastaturen sind Buchstabendreher; – oder es wird ein Buchstabe erwischt, der sich auf der Tastatur dicht neben dem gewünschten befindet. Die typischen T9-Fehler sehen anders aus. Bei T9 wird oft aus Versehen die erste vorgeschlagene Variante bei vorkommenden sinnvollen Mehrfachbelegungen einer Tastenkombination gewählt. Z.B. „Das ist ja eine volle Nachricht“ statt „Das ist ja eine tolle Nachricht“.

Fehler dieser Art hat sich Thomas Goldstrasz zunutze gemacht, um eine Sprache zu entwickeln, die dazu geeignet ist, sony-ericsson-romantische Fotografien formatgerecht zu kommentieren. An folgende selbst auferlegte Produktions- und Formatierungsregeln hält er sich dabei; – selbstverständlich nicht sklavisch, sondern frei: Fehler werden stehen gelassen. Bei nicht im Wörterbuch vorhandenen Wörtern wird entweder die Zeichenkette genommen, die vor der Aufforderung “buchstabieren!” erscheint, oder die Umdichtung wird verworfen. Ein Kompositum gilt als im Wörterbuch vorhanden, wenn die Wörter darin vorhanden sind, aus denen es besteht. Ab und zu wird aus ästhetisch mutwilligem Versehen die erste vorgeschlagene Variante einer Eingabe genommen, wenn sie falsch ist. Der Zeilenumbruch bei der Abschrift mit der Schreibmaschine – bzw. bei der Abschrift für dieses Blog – folgt dem Zeilenumbruch des T610-Displays. Der Anfang eines Verses wird groß geschrieben, der Rest klein. Satzzeichen verschwinden. Die Nachrichten enden mit dem Zeichen “,;,”.

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